02.10.2016

„merkst du nicht, was hier passiert?“

Das mit dir und mir, das ist dabei, sich zu etwas auszuwachsen. Zu etwas großem. Manchmal macht’s mir Angst. Tut ja mehr weh, etwas großes zu verlieren als etwas kleines. Ich stell mir also vor, das mit dir und mir bleibt klein. Unbedeutend würde, wollte und könnte ich nicht sagen. Aber klein; kleiner jedenfalls als das, was da jetzt vor sich geht.

„merkst du nicht, was passiert – mit mir und dir?“

Ich glaube nämlich, dass alle anderen es ganz genau wissen.

Ich glaube, man hört es in unserem Lächeln.

 

©NatalieBella

die ersten worte
sie sollen bedeutsam sein
ich will sie halten, wie ein kind
sie in den erstarkenden armen wiegen

meine erstes worte
leg ich in die ewigkeit
und eine ewigkeit liegt in ihnen

kleide sie in
sanftmut verschiedenster farben
wispre und trample nicht, sei
nie zu laut, doch niemals zu leise

hülle sie in dein klingstendes schweigen
denn diese worte lege ich in die ewigkeit
und eine ewigkeit liegt in ihnen

auf und unter meiner haut

wortlos erzählen wir
einander unsere geschichten
meine male ich rhythmisch auf
und unter meine haut

neben dem herzen
märchen in deiner schönsten schrift
über sonnige tage im dunkel und
so manche stunde im regen

meine augen zeichnen mich
merk mir mein reinstes, bestes gefühl
denn wiedersehenslächeln schmeckt immer
seltener salzig jetzt

sanfte muster umranken
meinen körper, meine wahrheit
so werde ich mandala, so fang ich mich
in neuen farben ein

©nataliebella

10.10.2015

wenn
einsame Herzen
auf zumeist geraden
Straßen, manchmal auch
in verwinkelten Labyrinthen
langsam vergessen, in welche
Richtung sie gehen

und
verwaiste Seelen
einander festhalten
nur um sich wegzustoßen
immer wieder, bis es schmerzt
vielleicht wird es dann Zeit
für ein Goodbye

doch
kaum bist du weg
verschwinden auch die Worte
irgendwo im Zug muss sie
jemand unbemerkt aus
meinem Herzen
genommen haben

ja
manchmal wird
der Vermissensschmerz
fast körperlich und meine
Gedanken verstecken sich
in murmelnden Marmeladenglas-
momenten

©nataliebella, 10.10.2015

Worte zur Nacht

 

 Sie drückt die Stirn an die Wand,
 weil sie einen kühlen Kopf bewahren will.
 Bis kalte Gänsehaut über ihren Körper jagt
 und dunkle Gedanken all das Licht ertränken, 
 das sie tagsüber dem Himmel stahl. 
 
 
 In Schwarz-weißer Unsichtbarkeit 
 seht ihr sie tanzend in der Nacht, 
 denn wenigstens in ihren Träumen
 lernt sie zu fliegen.
 
 
 Erträgt sie die Stille nicht mehr
 murmelt sie leise Geschichten ins Dunkel, 
 die im Schwarz beginnen zu glühen.
 Aus Worten spannt sie sich einen Sternenhimmel.
 Aus Worten malt sie sich eine reine Welt. 
 
 
 
                      Natalie Bella, 14.01.16

geist

worte bauen sich vor mir auf
wie eine geisterstadt im nebel
taste mich zögernd näher
und versinke im weiß

sätze in worte in buchstaben
zerfällt der sinn der bedeutung
in meinen immerkalten händen
doch ich seh nur zu

der puls dieser zeitlosigkeit
kribbelt in meinen fingerspitzen
ich bin nicht im warten, sehnen
ich bin in diesem augenblick