ICH VERMISSE MEINE HÄNDE

ich vermisse meine hände
auf mir, auf meiner tastatur, auf schwarzen
und weißen tasten
meine sinnlichkeit stiehlt sich im alltag davon
wie ein kind, das zum aller-allerersten mal ganz
frei und sogar ohne stützräder fährt
immer schneller und immer waghalsiger
verliert sich meine sinnlichkeit und auch
meine hände werden älter
und werden alt.

©nataliebella, 28012018

Werbeanzeigen

wo wir uns verloren haben

gäbe es einen augenblick
zu dem ich zurückkehren
den ich ändern könnte

existierte ein ort
zu dem ich wandern
den ich wandeln könnte

hätte es je einen moment
gegeben, der alles entschied
für immer – für ewig

gäbe es einen zeitpunkt
ich würd ihn belassen
und umkehren – niemals

© natalie b., 2015

die ersten worte
sie sollen bedeutsam sein
ich will sie halten, wie ein kind
sie in den erstarkenden armen wiegen

meine ersten worte
leg ich in die ewigkeit
und eine ewigkeit liegt in ihnen

kleide sie in
sanftmut verschiedenster farben
wispre und trample nicht, sei
nie zu laut, doch niemals zu leise

hülle sie in dein klingstendes schweigen
denn diese worte lege ich in die ewigkeit
und eine ewigkeit liegt in ihnen

Worte zur Nacht

 

 Sie drückt die Stirn an die Wand,
 weil sie einen kühlen Kopf bewahren will.
 Bis kalte Gänsehaut über ihren Körper jagt
 und dunkle Gedanken all das Licht ertränken, 
 das sie tagsüber dem Himmel stahl. 
 
 
 In Schwarz-weißer Unsichtbarkeit 
 seht ihr sie tanzend in der Nacht, 
 denn wenigstens in ihren Träumen
 lernt sie zu fliegen.
 
 
 Erträgt sie die Stille nicht mehr
 murmelt sie leise Geschichten ins Dunkel, 
 die im Schwarz beginnen zu glühen.
 Aus Worten spannt sie sich einen Sternenhimmel.
 Aus Worten malt sie sich eine reine Welt. 
 
 
 
                      Natalie Bella, 14.01.16

geist

worte bauen sich vor mir auf
wie eine geisterstadt im nebel
taste mich zögernd näher
und versinke im weiß

sätze in worte in buchstaben
zerfällt der sinn der bedeutung
in meinen immerkalten händen
doch ich seh nur zu

der puls dieser zeitlosigkeit
kribbelt in meinen fingerspitzen
ich bin nicht im warten, sehnen
ich bin in diesem augenblick

ein letztes mal

nachdem du so lang
so weit weg warst
scheine ich zu vergessen
wie nah du mir bist

du schmeckst salzig
und gar nicht nach dir
als ich dich abschieds-
 küsse, ein letztes mal

mit unserem sommer im
 kopf allein in den winter
du in meinem und ich
in deinem herzen