10.10.2015

wenn
einsame Herzen
auf zumeist geraden
Straßen, manchmal auch
in verwinkelten Labyrinthen
langsam vergessen, in welche
Richtung sie gehen

und
verwaiste Seelen
einander festhalten
nur um sich wegzustoßen
immer wieder, bis es schmerzt
vielleicht wird es dann Zeit
für ein Goodbye

doch
kaum bist du weg
verschwinden auch die Worte
irgendwo im Zug muss sie
jemand unbemerkt aus
meinem Herzen
genommen haben

ja
manchmal wird
der Vermissensschmerz
fast körperlich und meine
Gedanken verstecken sich
in murmelnden Marmeladenglas-
momenten

©nataliebella, 10.10.2015

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Worte zur Nacht

 

 Sie drückt die Stirn an die Wand,
 weil sie einen kühlen Kopf bewahren will.
 Bis kalte Gänsehaut über ihren Körper jagt
 und dunkle Gedanken all das Licht ertränken, 
 das sie tagsüber dem Himmel stahl. 
 
 
 In Schwarz-weißer Unsichtbarkeit 
 seht ihr sie tanzend in der Nacht, 
 denn wenigstens in ihren Träumen
 lernt sie zu fliegen.
 
 
 Erträgt sie die Stille nicht mehr
 murmelt sie leise Geschichten ins Dunkel, 
 die im Schwarz beginnen zu glühen.
 Aus Worten spannt sie sich einen Sternenhimmel.
 Aus Worten malt sie sich eine reine Welt. 
 
 
 
                      Natalie Bella, 14.01.16

geist

worte bauen sich vor mir auf
wie eine geisterstadt im nebel
taste mich zögernd näher
und versinke im weiß

sätze in worte in buchstaben
zerfällt der sinn der bedeutung
in meinen immerkalten händen
doch ich seh nur zu

der puls dieser zeitlosigkeit
kribbelt in meinen fingerspitzen
ich bin nicht im warten, sehnen
ich bin in diesem augenblick

ein letztes mal

nachdem du so lang
so weit weg warst
scheine ich zu vergessen
wie nah du mir bist

du schmeckst salzig
und gar nicht nach dir
als ich dich abschieds-
 küsse, ein letztes mal

mit unserem sommer im
 kopf allein in den winter
du in meinem und ich
in deinem herzen

wenn zuckerwatte aus dem himmel fällt

wenn zuckerwatte aus dem himmel fällt
warten wir, bis schneeflocken
prickelnd auf unserer zunge
tauen und wir erschauern jedes mal

eiskristalle schweben so leicht
auf unser lachen zu, dass wir
beginnen , die existenz der
schwerkraft ernsthaft zu bezweifeln

hand in hand im schneesturm
lassen wir uns umwirbeln
bis wir zum schneeengel werden
unsere weißen schwingen ausbreiten

denn wenn wieder zuckerwatte
in unsere gesichter fällt
werden wintermärchen wahr
und menschen lernen fliegen

©nataliebella, 26.11.2015

22.11.15

manchmal
ist es nur die eigene blindheit
die die augen zu öffnen vermag

denn seit ich mich
im schwarz-weiß nicht mehr fand
male ich mich in anderen farben

mit zitternder hand
die mundwinkel im lächeln gehalten
trauer und tränen im kissen erstickt

mein licht
lass ich mir nicht mehr aus dem herzen
mein lächeln mir nicht von den lippen stehlen

©nataliebella, 22.11.2015